Endlose Bergwelt um Abisko

Das Tal zwischen Lapporten und dem Njúlla ist geprägt durch Flüsse und kleinere Bäche, die sich zwischen mehreren kleineren Erhebungen hindurch schlängeln. Diese Birkenwaldzone zählt zu den letzten Wildnisgebieten, die es noch in Europa gibt. 1909 wurde der Abisko Nationalpark eingerichtet, um diese landschaftliche Schönheit zu schützen. Heute erkunden wir dieses Gebiet mit anderen Augen. Mit einer Geländekarte im Gepäck machen wir uns auf zu einem Orientierungslauf. Eine kleine Runde führt uns durch das hügelige Tal zu kleineren Erhebungen, von denen wir grandiose Ausblicke auf den Nationalpark haben. Es sind 20° C, die sich für uns Kinder des Nordens wie 35° C anfühlen. Die Sonne scheint und fordert uns zusätzlich, obwohl die Steigung nicht allzu steil ist. Nach den unzähligen Feldtagen fühlt sich die Beinmuskulatur mittlerweile gestählt an. Jeder Schritt ist trittsicher und unbewusst suchen die Beine nach einer neuen Herausforderung. Auf Zehenspitzen bewegen wir uns von Stein zu Stein. Diese Fortbewegungsweise fordert nicht nur die Muskulatur, sondern auch den Gleichgewichtssinn. Noch vor einem Monat unvorstellbar, denn damals war jeder Tagestrip durch das raue Gelände mehr als anstrengend.

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Birkenwaldzone in der letzten WIldnis Europas

Nach drei Kilometern erreichen wir die erste Erhebung. Auf dem Stornabben tragen wir uns in das Gästebuch ein und genießen die Aussicht. Von hier aus haben wir einen Überblick über das vor uns liegende Gelände und wir können unser nächstes Ziel ausfindig machen. Im dichten Birkenwald wird die Orientierung wieder schwieriger. Wir folgen einem kleinen Pfad in Richtung Westen. Die Birken werden niedriger, denn es geht kontinuierlich nach oben. Die Moore zeigen sich in bunten Farben. Überall ragen Knabenkräuter zwischen der Grasvegetation hervor. Der Gletscher-Tragant dekoriert mit seinen gefiederten Blättern und den leuchtend gelben Blütenstände die Umgebung. Die nächste Erhebung ist der Rävnabben. Das gleiche Spiel. Ins Gästebuch eintragen, Blick genießen und weiter. Die brennende Sonne lässt die Beine müde werden. Die Orientierung im Gelände fällt uns zunehmend leichter, denn die niedriger werdende Vegetation ermöglicht uns eine Rundumsicht. Unseren Besuch auf dem Kransnabben halten wir so kurz wie möglich, denn das Ziel liegt in greifbarer Nähe. Nach sieben Kilometern erreichen wir den Paddus auf einer Höhe von 600 Metern. Hier legen wir eine große Mittagspause ein. Kalte Nudeln aus dem Glas, Brote mit gesalzenem Mozzarella und eine Nuss-Frucht-Mischung stehen zur Auswahl.

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Blick in Richtung des Abisko Nationalparks mit dem Njúlla im Hintergrund

Frisch gestärkt geht es auf den Rückweg. Es geht nun kontinuierlich bergab zurück ins Tal. Wir laufen einen anderen Weg, der uns durch nasse Moore führt. Im Vorbeigehen bewundern wir die bunte Vielfalt an Pflanzen, bis unser Blick an einer kleinen Orchidee hängen bleibt. Wir hielten sie auf den ersten Blick für eine Grüne Hohlzunge, eine Knabenkraut-Art, die wir bereits während unserer Kartierarbeiten auf dem Njúlla entdecken. Bei genauerem Hinschauen wurde uns bewusst, dass wir es hier mit einer Orchidee zu tun haben, die den poetischen deutschen Namen Weiße Höswurz trägt. Beflügelt von unserer neuen Entdeckung machen wir uns auf den Heimweg. Hinter uns liegt eine entspannte Wanderung von knapp 12 Kilometern in fünf Stunden.

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