Gallejaur – Von Kühen und Schafen

Fjällnäsfår ist eine Schafrasse, die in einem kleinen Dorf namens Fjällnäs in Nordschweden, zwischen Nikkaluokta und Kiruna gezüchtet wurde. Damit ist es die nördlichste Schafrasse, die in Schweden gezüchtet wurde. Die Schafe lebten im Frühjahr und Sommer in den Bergwäldern. Die ausgeprägten Herdentiere sind äußerst sozial und neugierig. Einige dieser Tiere soll es im Kultur- und Naturreservat Gallejaur geben. Einem Ort mit kulturhistorischer Bedeutung, an dem noch heute Ackerbau und Viehzucht nach historischem Vorbild betrieben werden soll. Gallejaur liegt etwa 20 Minuten mit dem Auto entfernt von unserem Anwesen. Wir machen uns auf die Suche nach den robusten Schäfchen und anderen Tieren.

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Herbststimmung in Gallejaur | © Christine Riel

Die Geschichte dieses Ortes begann im Jahr 1801, als ein Mann namens Carl Svennson beschloss, am gleichnamigen See eine Siedlung zu bauen. Die Lage war ausschlaggebend für die Gründung einer Siedlung. Sonnenexponierte Südhänge versprachen viel Wärme und machten den Ackerbau möglich. Der See gewährleistete eine hervorragende Wasserversorgung für die Felder und das Vieh. Die Siedlung wuchs rasant heran. Im Jahr 1958 bestand die ehemalige Siedlung aus neun Gärten – ein Dorf war geboren. Die Menschen versorgten sich selbst. Sie führten ein unabhängiges Leben. Es war die Zeit, in der die Häuser Elektrizität und Telefonanschlüsse bekamen. Die Infrastruktur wurde ausgebaut und im Jahr 1964 wurde das Wasserwerk errichtet, was dazu führte, dass große Teile der Felder überflutet wurden. Fluch und Segen zugleich, denn dieser Fortschritt bedeutete gleichzeitig das Ende des Ackerbaus.

Heute erzählen die gut erhaltenen Gebäude Geschichten aus einer längst vergangenen Zeit. Insgesamt stehen in dem heutigen Kulturreservat 64 Gebäude, die alle ihren eigenen Zweck verfolgten. Und teilweise sind die Häuser noch heute bewohnt. Die gesamte Anlage wird liebevoll von der Gemeinschaft gepflegt und auf diese Weise erhalten. Das historische Dorf Gallejaur ist heute ein lebendiges Freiluftmuseum, in dem die Vergangenheit zum Leben erweckt wird. Wer selbst ein Teil dieses ursprünglichen Lebens werden möchte, der kann sich eines der restaurierten Häuser als Ferienhaus mieten. Wir streifen durch einen kleinen Garten, in dem diverses Gemüse und verschiedenste Kräuter angebaut werden. Der Reichtum reicht von Erbsen über Kapuzinerkresse bis hin zu Grünkohl und Zuckerrüben. Eine kleine bunte Oase, aber wo sind die Schafe? Nicht mal Kühe bekommen wir hier zu sehen…

Nördlich des Kulturreservats führt ein kleiner Trampelpfad mitten hinein in ein Naturschutzgebiet. Trotz der Höhe von immerhin 460 Metern und der nördlichen Ausrichtung wird der Urwald durch ungewöhnlich hohe Bäume geprägt. Hier stehen Tannen und Kiefern, die mehr als 25 Meter hoch gewachsen sind. Der Boden ist hier besonders reich an Nähr- und Mineralstoffen, was dem Wachstum der Bäume zugute kommt. Aber nicht nur die Bäume scheinen sich hier besonders wohl zu fühlen. Der Unterwuchs präsentiert sich in einer beeindruckenden Artenvielfalt. Eine schier endlose Fülle an Pilzen macht sich auf dem Waldboden breit. Speitäublinge, Habichtsstachelinge, Birkenreizker, Maronenröhrlinge, Birkenpilze, Butterpilze, Nordische Milchlinge – Eine Oase für Mykologen.

Der kleine Trampelpfad verändert sich hin zu einer verwilderten Spur, durch die wohl schon seit längerer Zeit kein Wanderer mehr gestapft ist. Wir kommen auf eine Schneise, durch die sich Stromleitungen ziehen. Ab hier folgt der „Pfad“ den Stromleitungen. Wir entscheiden uns zu einem Abstecher hinauf zum Gipfel, weg von den menschlichen Eingriffen. Auf dem Gipfel ist der Wald nahezu unberührt. Hier präsentiert sich ein prächtiger Urwald mit Totholz, das von Baumpilzen übersät ist. Ein Großteil des Waldes ist etwa 300 bis 350 Jahre alt. Die alten Zweige der Nadelbäume sind überzogen von Bartflechten. In dieser Umgebung fühlen sich Dreizehen-Specht und Unglückshäher wohl. Der Unglückshäher ist ein sehr neugieriger Vogel, der gerne mal den ein oder anderen Besucher etwas genauer unter die Lupe nimmt. Bei Gelegenheit fressen sie einem gerne aus der Hand. Ihren klangvollen schwedischen Namen lavskrika setzt sich aus den Begriffen für Flechte (lav) und schreien (skrika) zusammen. Diesen Namen haben die Vögel der Tatsache zu verdanken, dass sie sich ihre Nester aus den hängenden Baumflechten bauen.

Nach unserem Abstecher begeben wir uns wieder zurück auf unseren eigentlichen Weg. Entlang der Stromtrasse laufen wir parallel zu einer kleiner Straße. Das Gelände wird immer unwegsamer, rutschiger und dichter. Wir folgen einer Abkürzung, die uns direkt zur kleinen Straße hinab führt. Von dort folgen wir der Straße zurück zum Parkplatz am Kulturreservat. Und wo sind nun die Kühe und Schafe geblieben? Die sind auf unserem Teller gelandet. Und zwar in Form von Pilzen, denn wir haben Kuhmäuler mit gelben Füßen und cremeweiße Schaf-Porlinge gesammelt, die zusammen mit einer Hand voll essbaren Täublingen eine delikate Pilzpfanne ergeben. Ein delikater Abschluss dieser fünf Kilometer langen Miniwanderung.

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