Vom Backraum zur Wellnessoase Teil 1: Dusche mit Bergcharakter

Es ist in der heutigen Zeit kaum vorstellbar, dass ein Haus keine Dusche besitzt. Das Duschen gehört zum Alltag wie die Butter zum Frühstücksbrötchen. Es ist längst von einem Reinigungsakt zum Entspannungsritual geworden. In unserem Haus gab es keine Dusche.

Sie hatte in dem kleinen Badezimmer, in dem sich die Waschmaschine direkt neben die Toilette gesellt, keinen Platz mehr. In der Scheune stießen wir auf ein altes Holzgestell ähnlich einer Schaukelvorrichtung in Galgenform. An einem Standbein ist ein Balken befestigt, der auf einen kleinen Holzblock an der Scheunenwand aufgelegt werden konnte. Am Balken wurden Haken integriert, an die möglicherweise ein Eimer eingehangen wurde

Diese Art des Duschens lässt Gedanken an ein Abenteuer aufkommen. Sich in der Natur zu duschen, dabei die verschiedenen Düfte des Waldes wahrnehmen und die warmen Strahlen der Sonne auf der Haut spüren gleicht einem wild-romantischen Bild. Aber es hat auch seine Nachteile und Grenzen. Sobald die Plage aus Mücken und Bremsen im frühen Sommer unerträglich wird, ist auch das Duschen unter freiem Himmel zur Last geworden. Vor allem die Bremsen legen ein aggressives Verhalten an den Tag und sind in keinster Weise zu bändigen. Wenn die Plage nachgelassen hat, geht der Sommer langsam aber sicher seinem Ende entgegen. Die letzten warmen Tage können genutzt werden für ausgiebige Duscherlebnisse unter blauem Himmel. Aber die sinkenden Temperaturen bereiten dem Spaß schnell ein Ende. Duschen ist dann nur noch für Hartgesottene.

Wir haben das erste Jahr mit einer Outdoordusche überlebt. Was als Notlösung anfing, da wir nicht auf das Duschen verzichten wollten, entwickelte sich zu einem aufregenden Erlebnis. Das Wasser im schwarzen Behälter hat sich nach zwei bis drei Stunden direkter Sonneneinstrahlung aufgeheizt. An einem Thermometer lässt sich die aktuelle Temperatur ablesen, wobei der Sack erst durchgeschüttelt werden sollte. Ansonsten wird man böse überrascht, wenn das untere Wasser doch noch einen Tick kühler ist, als die Anzeige vermittelt. Der absolute Luxus bei dieser Dusche ist der Brausekopf, der das Wasser fein zerstreut. Dank der erhöhten Lage wird das Wasser automatisch herausgedrückt. Das Duscherlebnis hält bei einem Sack mit zehn Liter Volumen fünf Minuten an. Ein wahrer Luxusmoment in der Wildnis.

Als der Winter kam wurde uns klar, dass wir eine andere Lösung benötigten. Ein Bad musste her. Schnell fiel die Wahl auf einen ungenutzten Raum im Keller, der einer Rumpelkammer glich. Doch dieser war der einzige Raum, in dem bereits Wasserleitungen und ein Abfluss vorhanden waren. Beim Aufräumen brachte die Räumlichkeit einige Schätze ans Tageslicht. Neben einem Steinofen, der in die Wand integriert war und sich bisher hinter einer dicken Platte versteckte, kam eine Auswahl von Nudelhölzern mit Noppen, Rillen und Spitzen zum Vorschein. Ein Stück Vergangenheit offenbarte sich uns hier.

Nachdem der Raum komplett leer geräumt war, konnten die Planungen beginnen. Der erste Schritt war das Streichen der Wände und Decke mit Kalkfarbe (släckt murkalk). Sie ist ein wahres Wunder und bietet unzählige Vorzüge. Nachdem sie an die Wand aufgetragen wurde, wird sie nach und nach zu verhärtetem Kalk. Kalkstein reguliert die Raumfeuchtigkeit, da es sehr porös ist und das Wasser aus der Luft zieht und wieder abgibt. Außerdem ist Kalk basisch, was zum Abtöten von Schimmel führt. Auch später wenn die Farbe verhärtet ist, bietet sie dem Schimmel keinen Nährboden. Seit Jahrtausenden von Jahren wird Kalkfarbe zum Streichen verwendet und mit einem Preis von 16,20 € für einen zehn Kilo Sack ist sie eine preisgünstige und ökologische Alternative zu herkömmlichen Wandfarben. Es sind keine schädlichen Ausdünstungen irgendwelcher Lösungsmittel zu befürchten. Kalkfarbe ist vollkommen natürlich. Der einzige Nachteil besteht darin, dass die Farbe weniger gut auf Holz hält. Hier haben wir es mit etwas Milch versucht. Das Casein der Milch soll als Kleberprotein dafür sorgen, dass die Farbe weniger spröde wird. Die Kalkfarbe wird etwas zäher und passt sich besser dem flexiblen Holz an. Für ein deckend weißes Ergebnis haben wir sämtliche Flächen drei Mal gestrichen.

Der Duschbereich ist ebenerdig und barrierefrei zugänglich. Er wird von einer Natursteinmauer vom übrigen Raum abgegrenzt. Die Steine kommen aus der Erde unseres Grundstücks. Sie ist voll davon. Ein Holzgestell dient als Umrandung für den Sockel der Mauer, der mit Beton aufgegossen wurde. Die Steine wurden nach und nach aufeinander geschichtet und mit Mörtel befestigt. Am Ende der Mauer sitzt ein größerer flacher Stein, der zusätzlich als Ablagefläche genutzt werden kann

 

Nachdem die Mauer stand, war der Boden an der Reihe. Wir entschieden uns dafür, den Boden mit Klinkerplatten auszukleiden. Da sie perfekt für den Außenbereich geeignet sind und keine Probleme mit Frost und Wasser haben, erschienen sie uns perfekt als Boden für unser Badezimmer. Es ging auf zum schwedischen Discountbaumarkt Byggmax. Hier waren wir mit 6,95 € pro Quadratmeter dabei. Für die Natursteinmauer und den Boden benötigten wir etwa zehn Säcke Mörtel (putsbruck) für je 4,99 €. Der Abfluss wurde nicht gefliest, denn hier kommen später flache Natursteine hinein.

Im Secondhandshop in Piteå machten wir ein richtiges Schnäppchen. 90 weiße Kachelfliesen für 6 € und 2,50 € für 25 gelb gemusterte Fliesen waren bombastisch. Um diese abwechselnd mit den restlichen Klinkerplatten an die Wand zu bekommen, benötigten wir einen 15 kg Sack Fliesenkleber (fix inne & ute) für 9,99 €. Zum Schluss kam das Prachtstück des Duschparadieses an die Wand: eine Vorrichtung mit Wasserfallbrause und Massageduschkopf. Eine eigenhändig gebaute Tür aus Holzbrettern schließt den Raum ab. Rohre und Leitungen wurden mit Holzverschalungen verkleidet.

 

Entstanden ist ein einzigartiger Raum, in dem Neues und Altes vermischt wurde. An vielen Ecken sind Spuren der Vergangenheit zu sehen. Die kleinen Details geben dem Raum seinen individuellen Charme. Nun genießen wir unendliche Duschfreude mit heißem oder kaltem Wasser, das direkt aus der Erde kommt. Als nächstes steht der Bau einer Erlebnissauna auf dem Programm.

 

P.S.: Die Nudelhölzer haben einen ganz besonderen Platz gefunden….

Nudelholz-Variation | © Christine Riel

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