Was 2018 geschah… | Fotoparade

Ein tierisches Jahr liegt hinter uns. Oft haben wir rot gesehen, wenn wir an die bevorstehenden Aufgaben dachten. Der einzige Ausweg aus dieser Situation bestand im abstrakten Denken, um aus dem gedanklichen Chaos der Einzelheiten und „Was ist, wenn…“-Fragen herauszukommen. Wir haben es einfach geschehen lassen und sind vor einem Jahr in die schwedische Wald-Landschaft im Herzen Västerbottens gezogen, mit Ausblicken auf fantastisch neue Möglichkeiten und krasse Sachen.

Landschaft

Als Deutschland schon zu Beginn des Frühlings von den ersten Hitzewellen überrascht wurde, begann für uns der Aufbruch in ein neues Kapitel. Die letzten Habseligkeiten fanden ihren Platz in unseren (völlig überfüllten) Wohnmobilen. Unsere letzte Nacht in Deutschland verbrachten wir auf einem Rastplatz an der Autobahn zwischen Greifswald und Rostock. Drei Tage Autofahrt standen uns ab Trelleborg bevor und nur zwei Wochen gemeinsame Zeit, bis ich mich noch 500 km weiter in den Norden vorkämpfte. Die Berge rund um Abisko waren zu dieser Zeit schneebedeckt. Innerhalb der nächsten Monate durfte ich grandiose Momente in atemberaubenden Landschaften erleben. Mit jedem Tag änderte sich das Antlitz der Natur.

Lapporten | © Christine Riel

Abstrakt

Während des Sommers ist am Haus jede Menge geschehen. Ich nutzte meinen Sommerurlaub für einen Hofbesuch. Zahlreiche Baustellen taten sich bei den täglichen Hauserkundungen auf, deren Ausmaße eine ausgedehnte Bandbreite umfassten. Wer weder Improvisationstalent noch handwerkliches Geschick mit bringt, der ist hier wohl schnell verloren. Nicht immer bringt der Tag Fortschritte mit sich. An manchen Tagen erscheinen die Hürden einfach unüberwindbar. Doch manchmal brauchte die Lösung des Problems ein wenig Zeit zum Ausreifen. Die Gesamtheit unabhängig ihrer Einzelheiten zu sehen war für mich die größte Herausforderung, denn nicht immer ist das Ergebnis optisch perfekt sondern rein funktional.

Vereiste Objekte | © Johannes Hansen

Rot

Der Herbst in Schweden ist noch immer die schönste aller Jahreszeiten, denn die Natur verändert sich und leuchtet in prächtigen Rot-, Gelb- und Orangetönen. Wir genießen die letzten Sonnenstrahlen bei herbstlichen Spaziergängen, bevor für uns die Zeit der Wintervorbereitung beginnt. Wir müssen Holzvorräte aufbauen, um über den langen Winter zu kommen. Gebäude und Autos müssen winterfest gemacht werden. In der Küche laufen die Einkocharbeiten auf Hochtouren, denn die Wälder tragen massenhaft Früchte, die in der Herbstsonne rot oder blau schimmern. Ich war ziemlich stolz über die Errungenschaft einer Beerenschaufel, denn sie machte das Blaubeerpflücken zu einer meditativen Angelegenheit. Manchmal auch zu einem Wettbewerb: wessen Schaufel ist am Ende voller? Wer nicht aufgepasst hat, dem sind durch zu schnelle und unüberlegte Handgelenksbewegungen wieder sämtlich Beeren aus der Öffnung gekullert.

Früchte der Alpen-Beerentraube | © Christine Riel

Tierisch

Unser Haus bekam im November tierischen Zuwachs, denn unser putziges Vögelchen zeigte mehr und mehr Einsamkeitssymptome. Also ging die Reise mit dem Wohnmobil los gen Süden. In einer Entfernung von 500 km warteten zwei Nymphensittich-Männchen auf ein neues Zuhause. Die erste Zusammenführung glich einer Revierverteidigung beider Parteien, die mich an meine Begegnung mit einem Blaukehlchen im Abisko Nationalpark erinnerte. Auch dieses Männchen versuchte sein Revier gegen mich zu verteidigen. Ich ließ dem kleinen Gesangstalent seinen Sieg und schlich mich davon. Unsere Neuankömmlinge konnten sich nicht so einfach aus dem Staub machen. Es dauerte etwas, bis sich das Dreiergespann aufeinander eingestellt hat, doch nun werden wir jeden Morgen von wechselnden Gesängen geweckt und die Vogelfamilie ist glücklich und zufrieden. Jeder Tag bringt neue Einblicke in das Sozialleben dieses Vogelschwarms.

Blaukehlchen | © Christine Riel

Krasse Sache

Der Winter hat sich erst im Dezember gezeigt. Mit dem Schnee kam die Kälte und die Tage wurden zunehmend anstrengender für Körper und Geist, denn die Farben vergrauen und täuschen dem Auge Unwirkliches vor. Die morgendliche Routine umfasste neben der Frühstückszubereitung auch das Anfeuern des Holzofens, denn frisch gekochter Kaffee darf an keinem Tag fehlen. Doch schnell reichte der Ofen in der Küche nicht mehr aus, um das Haus zu wärmen. Ein Glück besitzt das Haus eine intakte Zentralheizung, die ebenfalls mit Holz in Gang gesetzt werden kann. Die morgendliche Routinerunde erweitert sich mit der Kellerofenbefeuerung um einen weiteren Punkt. Dann war da noch der Schnee, der unaufhörlich vom Himmel fiel. Das tägliche Schneeschippen hat sich nicht selten zu einer dreistündigen Sísyphusarbeit entwickelt. Kaum an der Scheune angekommen, war die vorher frei geschaufelte Fahrbahn schon wieder von einer dünnen Schneeschicht bedeckt.

Schneemassen in der Nacht | © Johannes Hansen

Ausblick

Es war einer dieser Glücksmomente, als die Post kurz vor Weihnachten zwei Briefe vorbei brachte. Beim Anblick eines Briefes vom Finanzamt beginnt normalerweise keine euphorische Gute Laune. Das Öffnen des weißen Umschlags gleicht einer Achterbahnfahrt, möchte man es einerseits so schnell wie möglich hinter sich bringen, doch die andere Seite hat kein gutes Gefühl bei dieser Sache. Doch an diesem Tag war alles anders und wir wussten, dass das nächste Jahr unvergessliche Abenteuer bringen wird – uns eines davon wird die Rückkehr in die fantastische Bergwelt von Abisko.

Fjäll am Kratersjön | © Christine Riel

Fotohighlights

Dieser Blogbeitrag entstand durch einen Aufruf von Michael, der auf seinem Blog Erkunde die Welt eine alljährlich stattfindende Jahresrückblicks-Fotoparade ins Leben gerufen hat. Gesucht wurden Fotos zu den sechs Kategorien „Tierisch“, „Abstrakt“, „Landschaft“, „Aussicht“, „Krasse Sache“ und „Rot“. Leider erreichte mich dieser Aufruf etwas zu spät. Doch ich konnte nicht widerstehen. Er hat mich dazu beflügelt, noch einmal auf das Jahr 2018 zurückzublicken.

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