Nordische Frühjahrsboten | NordNerds-Thema

Der April ist da und laut Kalender befinden wir uns seit dem 20. März bereits im Frühling. Als wir heute morgen aus dem Fenster blickten, wirkte es nicht sehr frühlingshaft. Es schneite – mal wieder. Langsam wird es Zeit, der Sache auf den Grund zu gehen. Vielleicht gibt sich der Frühling doch noch zu erkennen, denn es gibt ein paar Anhaltspunkte:

1. Frühlingsgefühle

Die Schweden freuen sich über die steigenden Temperaturen und auch wir können es kaum fassen, dass unser Thermometer immer öfter Temperaturen über dem Gefrierpunkt anzeigt. Die Sonne steigt mittlerweile über die Baumwipfel, sodass die wärmenden Strahlen zum perfekten Frühstück beitragen. Wie so viele Nordländer kribbelt es uns im Bauch. Wir möchten endlich raus aus dem geliebten Holzhäuschen und die Landschaft erkunden. Nur die Schneemassen hindern uns an den ersten größeren Wandertouren des Jahres, die uns weiter tragen als bis zur nächsten Straßenkreuzung. Nach durchgehend -15 bis -20 °C und der extremsten Marke von -31 °C fühlen sich drei Grad plus wie Sommer an. Beim Gang zum Holzholen in der Scheune kann die Jacke endlich wieder hängen bleiben! Dieses Phänomen der Temperaturanpassung ist unter den Schweden weit verbreitet verleitet das Nordvolk zu seltsamen Frühlingsritualen, von denen Matthias in seinem Beitrag auf Hej Sweden erzählt.

Winteridyll | © Johannes Hansen

2. Tierische Boten

Doch wo sind die Frühlingsboten? Auf unserem Hof säumen noch immer mannshohe Schneeberge die labyrinthartigen Gehwege und Fahrbahnen. Blumen?! Weit gefehlt. Im Lappland wachsen keine Schneeglöckchen. Das Leben kommt mit den Vögeln. Schwäne, Kraniche und Gänse sind die Frühlingsblüher des Nordens. Daher ist die Ankunft der Luftnomaden für viele Schweden schon ein frühlingshaftes Highlight. Am Himmel zetern Singschwäne. Die im Norden seltenen Höckerschwäne bleiben lieber im milderen Südschweden. Doch den Höhepunkt markieren erst die Kraniche. Wenn Sie da sind, wird es Frühling. Das wissen nicht nur die Nordmänner. Immer mehr Wahlschweden wie Anneke spitzen die Lauscher, um die fliegenden Frühlingsboten willkommen zu heißen. Von dieser Freude berichtet sie auf Annekes Sammelsurium.

Schneeberge kreieren ein Labyrinth | © Christine Riel

Wenn die Kraniche im Herbst wieder gen Süden ziehen, hinterlassen sie eine karge und eintönige Landschaft. Aber die Natur ist während der dunklen Jahreszeit nicht vollkommen leblos, denn es gibt einige Lebewesen, die dem knackigen Winter trotzen. Dazu gehören Rentiere, die sich an die extremen Bedingungen angepasst haben. Wenn der Frühling naht, beginnt für sie die wirklich stressige Phase, denn unter ihrem dicken Fell wird es schnell zu warm. Daher ziehen sich die flauschigen Vierbeiner mit steigender Temperatur in höhere Lagen zurück. Am Nordkap dürfen Rentiere zum Frühlingsbeginn sogar aufs Wasser. Was das soll und wie das funktioniert, erzählt Jaana Bla auf Besser Nord als nie.

Schneenase | © Johannes Hansen

3. Südblumen

Im Süden dagegen können sich die Schweden bereits an Frühblühern erfreuen. Es grünt und blüht an jeder Ecke. Während das Buschwindröschen die Krautvegetation der Laubwälder dominiert, zeigen sich überall am Straßenrand Huflattiche. Jeder Schwede freut sich über die erwachende Natur. Buschwindröschen gelten als Glücksbringer. In Deutschland wird der Frühlingsbeginn weniger poetisch, dafür aber nicht minder sinnlich gewürdigt. Carina bezeichnet den Spargel in ihrem Frühjahrspost auf Svenska intensiv liebevoll als das Buschwindröschen der Deutschen.

Huflattich als Frühjahrsbote in Südschweden | © Johannes Hansen

Von der Passion für die Vegetation

Es gibt zahlreiche Feste, an denen die Schweden ihre Liebe zur Botanik zeigen. Das Osterfest setzt den Start für die neue Saison der blumigen Dekoration. Und da man sich hier im Norden nie so richtig sicher sein kann, ob der Schnee zu Ostern tatsächlich schon geschmolzen ist, greift man eben nicht zu bunter Blumendeko sondern zu frischem Birkengrün. Die Zweige werden festlich geschmückt und als Ersatz für die Blütenvielfalt werden einfach neonfarbene Kunstfedern verwendet. Und wer selbst einen sogenannten påskris (=Osterstrauch) haben möchte, der findet auf Mahtava eine Bastelanleitung.

Diese Tradition gibt es nicht nur in Schweden, sondern auch in Finnland. Neben dem Birkenzweigschmücken entdecken die finnischen Kinder auf andere Art und Weise das neu erwachende Leben. Davon und von vielen weiteren traditionellen finnischen Bräuchen berichtet Inken auf Finntastic.

Blumige Frühlingsdeko | © Christine Riel

Eier sind im Schnee gut getarnt

Die schrille Osterdeko wird nicht nur im Haus aufgehangen. Auch draußen finden die schmucken Federäste ihren perfekten Platz und können im Wind wie ein Paradiesvogel hin- und herschwingen. Scheiß doch auf den Schnee, wir gehen trotzdem nach draußen! Drinnen wird die Luft langsam stickig. Das weiß Rike von Schweden und so nur zu gut.

Draußen kann man so einigen Schabernack anstellen. Neben der lustigen Ostereiersuche im Schnee, die noch lustiger wird, wenn weiße Eier nicht bemalt wurden, gibt es noch mehr erheiternde Spiele. Die lustigen Schweden haben einige Osterspielereien entwickelt, die sich um das Ei drehen. Henrike berichtet auf ihrem Blog Einfach Schweden vom Eierpicken, Eierrollen, dem Osterhahn und weiteren Bräuchen.

Erwartungsvolle Genüsse

Wir berichten zu gegebener Zeit von unserer Interpretation der typisch schwedischen Osterdekoration mit Birkenzweigen und quietschbunten Kunstfedern. Bis es soweit ist, stimmen wir uns mit einem påskmust (= Ostermost) auf Ostern ein. Diese Kräuterlimonade mit Malzaroma darf weder zu Weihnachten und schon gar nicht zu Ostern fehlen. Dass dieses Getränk Geschmackssache ist, weiß Henning vom Lapplandblog.

Schwedisches Malzgetränk | © Christine Riel

Wir sind jedenfalls voll auf den Geschmack gekommen und testen uns durch die verschiedensten Varianten. Vielleicht war das ein oder andere Glas Blubbertrank auch zu viel und wir haben deshalb kribbelnde Gefühle im Bauch? Denn so richtig will der Frühling noch nicht kommen. Es bleibt weiterhin spannend, doch was wir definitiv wissen: die Nordlicht-Saison geht dem Ende entgegen und auch das ist ein Zeichen für den nahenden Frühling. Heute Nacht hatten wir großes Glück und konnten die wohl letzten Polarlichter der Saison dokumentieren:

Nordlichter über Västerbotten | © Johannes Hansen

Dieser Post ist mein NordNerds-Beitrag. Jeden Monat beschäftigt sich ein anderer Skandinavien-Blogger mit einem speziellen Thema und stellt interessante Beiträge zusammen. Auf diese Weise entsteht ein sich stetig ausdehnendes Netzwerk, von dem Leser und Blogger profitieren.

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