Schwedischer Nationalfeiertag – Trachten und traditionelle Tänze

Flaggen hissen, neue Mitbürger willkommen heißen, smörgåstårta essen – das ist der 6. Juni, Schwedens Nationalfeiertag. Als wir eine persönliche Einladung zu den Feierlichkeiten bekamen, waren wir schon etwas aufgeregt. Immerhin bekommen wir in unserem einsamen Paradies nicht viel vom Treiben in unserer Kommune mit. Nun steht ein echtes Event bevor und wir wissen nicht, was uns erwartet.

Ehrenmahlzeit

Angekommen in Norsjö ging es zum Begrüßungsessen ins folkets hus (eine Art Gemeindehaus). Blau-gelbe Fähnchen werden an alle Besucher verteilt und wir dürfen im großen Saal Platz nehmen. Dort wartet ein Stück der frischen smörgåstårta auf uns, die so remouladig-cremig war wie ein dick mit Mayonnaise bestrichenes Fischbrötchen. Diese Sandwichtorte ist das Gericht, welches traditionell am Nationalfeiertag auf den Tisch kommt – ähnlich wie surströmming zu midsommar oder Eier zu Ostern. Nach dem kleinen Festschmaus stimmen alle Anwesenden ein, um dem schwedischen Staat ein Geburtstagsständchen zu singen: „Ja, må han leva” – die schwedische Version zu „Hoch soll er leben” mit bekannter Melodie.

Langsam leert sich der Festsaal, denn die gesättigen Feiernden versammeln sich auf der Straße, um einen nationaldagståg (Nationaltagsfestzug) zu formen.

Geschichtsträchtige Gewänder

Angeführt wird der Marsch von den Männern und Frauen des Volkstanzvereins Björnlaget (Bärenmannschaft), die in den typischen Norsjö-Trachten aus den 50er Jahren gekleidet sind. Die Frauen tragen lange Röcke, die einfarbig oder mit Längstreifen versehen sind, und darüber eine Schürze. Die Oberbekleidung besteht aus einer weißen Bluse mit einem roten Leibchen. Auf ihren Schultern liegt die sogenannte hilka, eine blau-weiß karierte Kopfbedeckung, die ursprünglich aus Leinen bestand. Interessant sind die Männer gekleidet, denn sie tragen eine graue Hose, die schon beim Anblick Schweißtropfen fließen lässt. Sie besteht aus Vadmal – einem schweren Gewebe aus Schafwolle. Durch das Walken wird der Stoff extrem strapazierfähig, weswegen er bis ins 18. Jahrhundert als der wichtigste Rohstoff für Bekleidung galt. Vadmal ist zudem geräuschlos beim Laufen, wasserabweisend und winddicht. Diese langen Hosen passen perfekt zu den typischen kängskor, den für Nordschweden typischen Schnürschuhen aus Leder. Blaugestreifte Baumwollhemden bilden die Oberbekleidung.

Traditionelle Norsjö-Trachten | © Christine Riel

Willkommensgeschenk

Am hembygdsgård (Heimatmuseum) angekommen, werden wir bereits von zahlreichen Gästen erwartet. Die Volkstanzgesellschaft zeigt was sie drauf hat und führt einen traditionellen Gesellschaftstanz auf. Es gibt Kaffee und Kuchen und ein bisschen spüren wir die Nostalgie in der Luft, die an diesem Tag ungewöhnlich heiß war. Doch es dauert nicht lange bis alle neuen Mitbürger der Norsjö-Gemeinde nach vorne gebeten werden, um ihr Willkommensgeschenk abzuholen: ein dickes Buch mit Einblicken in die spannende Vergangenheit der Kommune. Mit einem warmen Applaus des Auditoriums verlassen wir gemeinsam mit allen anderen Neuankömmlingen den Vorstellungsplatz und geben die Bühne frei für diejenigen, die nun die schwedische Staatsbürgerschaft bekommen haben. Sie werden namentlich genannt und mit einem Diplom geehrt. Nun wissen wir, was in fünf Jahren auf uns zukommen wird.

Ein Tag mit Schattenseiten

Die Feierlichkeiten gehen langsam zu Ende. Dass dieser Tag so ausgelassen gefeiert wird, ist gar nicht so selbstverständlich. Denn erst seit 2005 gilt der 6. Juni als arbeitsfreier Tag. Doch zum Leid aller Arbeitnehmer wurde dafür ein anderer Tag gestrichen: der Pfingstmontag. Somit haben die Schweden einen neuen Feiertag und in manchen Jahren weniger arbeitsfreie Tage – nämlich dann, wenn der Nationalfeiertag auf einen Sonntag fällt. Glücklicherweise betrifft uns diese Angelegenheit als freischaffende Künstler nicht. So können wir uns gut gelaunt und gesättigt auf Erkundungstour begeben und den kleinen Museumshäuschen einen Besuch abstatten. Ein spannender und ereignisreicher nationaldag neigt sich langsam dem Ende entgegen.

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