Vildmarksvägen #2 – Sinneserweiterungen

Nachdem wir in den vergangenen Tagen wunderschöne Landschaften entdeckt haben und immer wieder von Panoramaausblicken und Wetterumschwüngen beeindruckt wurden, geht es nun auf den südlichen Teil des Vildmarksvägen. Der heutige Tag ist mit Abstand der Eindrucksvollste auf der ganzen Reise.

Reise in die dunkle Unterwelt

Die Reise führt uns am nächsten Tag weiter zum Gaustafallet. Wir verlassen die Gebirgswelt und schrauben uns Höhenmeter für Höhenmeter hinab in die Waldlandschaft. Neben der Straße liefert sich der Gaustejokk ein Wettrennen mit den Autofahrern. Dieser Fluss hat einen tiefen Canyon in das Schiefergestein geschnitten. Mit ohrenbetäubendem Tosen stürzen Unmengen an Wasser in die Tiefe. Doch wir können nicht richtig entspannen. Zu überlaufen ist der Platz, der zu den beliebtesten Touristenattraktionen gehört und zu groß ist das Verlangen nach dem magischen Gefühl, welches den Körper inmitten der Naturgewalt durchströmt.

Nach dem kurzen Genuss machen wir uns wieder auf den Weg. Am Stora Blåsjön verlassen wird den Vildmarksvägen und fahren auf einer verlassenen Straße nach Norwegen. Erneut kommen wir in den Genuss der landschaftlichen Veränderung. Die Berge werden zunehmend rauer, schroffer und steiler. Wir befinden uns in der Karstlandschaft Lybekkdalen, die von Kalkstein geprägt wird. Die einspurige Fahrbahn schlängelt sich durch das Tal und kurz hinter der Grenze kommen wir zu einer Abzweigung, an der eine steinerne Markierung auf sich Aufmerksam macht. Sie führt zu einem beeindruckenden Flussbett, das zu dieser Jahreszeit trocken liegt.

Wenige Meter abwärts verschwindet der Renselelva in einem natürlichen Tunnel in das Erdreich. Das Wasser hat zahlreiche mystische Grotten in den Untergrund gegraben. Eine davon ist die Marmorgrotta, dessen Name vom farbintensiven Gestein herrührt. Der größte Teil der Grotte liegt unter Wasser, sodass wir nur einige hundert Meter in die verwunschenen Gänge vordringen können. Tief in der Erde herrscht eine unwirkliche Stille. Nur das Echo von herabfallenden Wassertropfen durchdringt die mystische Atmosphäre. Es gleicht einer völlig anderen Welt, deren Natürlichkeit im Dunkeln liegt und die ihre Schönheit nur im Schein unserer künstlichen Lichtquellen preisgibt.

Es fühlt sich unnatürlich an, als wir wieder an die Erdoberfläche gelangen. Die Augen können kaum etwas mit der lichtüberfluteten Oberwelt anfangen. Es dauert eine Weile, bis sich der Geist aus der Dunkelheit befreit hat und wieder im Einklang mit dem Körper lebt. Oberhalb des Flussbettes liegt eine idyllische Feuerstelle. Eine gute Gelegenheit für eine Kaffeepause. Langsam gehen Grundnahrungsmittel zur Neige und wir nutzen das Feuer, um ein altertümliches Brot zu backen. Am Ende des Tages verlassen wir das mystische Norwegen und fahren wieder zurück auf den Vildmarksvägen.

Fortsetzung folgt…

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