Unser Leben in Zeiten von Corona

Vor nicht einmal drei Wochen ging die weltweite Krise größtenteils an uns vorbei. Wochenlang waren in ganz Schweden nur eine Handvoll Fälle bekannt. Als innerhalb eines Wochenendes die negativen Nachrichten aus Deutschland Überhand nahmen, bekamen wir so langsam ein mulmiges Gefühl. Und plötzlich breitete sich das Virus auch in Schweden zunehmend aus, bis es Västerbotten erreichte.

Appell an eine gründliche Hygiene

Während das öffentliche Leben in Deutschland zunehmend heruntergefahren wurde, erhöhte die folkshälsomyndigheten von einem auf den anderen Tag die Ansteckungsgefahr von „extrem niedrig“ zu „extrem hoch“ – was die höchste Stufe darstellt. Die schwedischen Nachrichtenseiten sind überfüllt von Hinweisen und Videos über die richtige Handhygiene. Nachrichten fokussieren sich überwiegend auf das Geschehen außerhalb Schwedens. Was wirklich im Inland passiert, bleibt dem Wissbegierigen zum großen Teil verborgen. Dass Schweden eine komplett andere Strategie verfolgt als das übrige Europa, wurde uns bei unserem letzten Einkauf deutlich. Zwar bitten Aushängeschilder an den Supermärkten, Abstand zu wahren, aber die Realität sieht anders aus: Menschen sitzen dicht gedrängt an Cafétischen und in der Supermarktschlange ist keine Panik zu spüren. Trotzdem scheinen sich die Schweden auf eine Isolation vorzubereiten, denn auch hier gibt es kaum noch Toilettenpapier in den Regalen.

Geringe Infektionszahlen?

Die aktuellen Zahlen auf den ersten Blick nicht weiter angsteinflößend. Mit einer Gesamtzahl von mehr als 3.000 Infizierten, von denen 40 in Västerbotten wohnen,und 92 Todesfällen liegt Schweden auf Platz 21 (Stand: 28.03.20, [1]). Hinter diesen Zahlen steckt allerdings ein System. Getestet werden ausschließlich Menschen, die wegen schwerer Symptome im Krankenhaus behandelt werden müssen. Außerdem sind regelmäßige Tests für Ärzte und Pfleger vorgesehen [2]. Unklar bleibt, wie hoch die Dunkelziffer ist und ob die hustende Dame hinter uns in der Schlange eine Ansteckungsgefahr darstellt. Immerhin raten die Behörden dazu, bei den kleinsten Symptomen zu Hause zu bleiben. Um das zu ermöglichen, wurden die Karenztage abgeschafft, sodass Arbeitnehmer direkt nach der Krankschreibung Krankengeld bekommen [3]. Außerdem dürfen Beschäftigte bei leichten Symptomen für 14 Tage ohne Krankschreibung zu Hause bleiben [4].

Staatsminister spricht zur Bevölkerung

Der schwedische Staatsminister Stefan Löfven richtete sich mit einer Ansprache an die Landesbevölkerung. Er ermahnte die Menschen zur Vorsicht und verbesserten Handhygiene, doch Neuigkeiten hatte er nicht zu berichten. Der Minister verdeutlichte, dass sich jeder Einzelne mental auf plötzliche massive Einschränkungen in Beruf und Alltag vorbereiten muss. Löfven bedankte sich bei all denjenigen, die das Land mit seinen Schulen, Gesundheitssystemen und anderen Einrichtungen in der aktuellen Situation am Laufen hielten [5]. Viele Menschen scheint das noch nicht zu interessieren – eine Situation, die Deutschland bereits durchleben musste.

Und in Västerbotten?

Momentan kein Grund zur Panik – sagen die Behörden. Laut Behörden gibt es aktuell keine Hinweise auf eine samhällsspridning. Im Klartext: Menschen in Västerbotten stecken sich nicht untereinander an, sondern schleppen das Virus durch Reisen in besonders stark gefährdete Gebiete ein. Wäre da nicht dieser eine Fall, dessen Ansteckungsquelle nicht herausgefunden wurde [6]. Längst warnen Virologen der Universität Umeå davor, dass sich Schweden erst ganz am Anfang befindet und der Höhepunkt vermutlich Mitte April bevorstünde. Schätzungen gehen davon aus, dass sich bis zu 150.000 Einwohner Västerbottens infizieren – und das bei einer Bevölkerung von rund 270.000, die sich über eine Fläche von etwa 55.000 km² verteilt [7]. Etwas Positives hat die ganze Situation für uns doch: zum ersten Mal liefert PostNord unsere Pakete bis vor die Haustür, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Uns bleibt die insgesamt 80 Kilometer lange Fahrt bis zur nächsten Abholstation in dieser Zeit erspart. Wir haben uns vorbereitet, sodass wir für die nächsten Monate das Haus nicht mehr verlassen müssen:

Quellen:

[1] Coronaviruset: Här är de senaste siffrorna, Aftonbladet
[2] Därför testas inte alla för viruset, SVT
[3] Åtgärder inom sjukförsäkringen med anledning av nya coronaviruset, Regeringskansliet
[4] Coronaviruset – det här gäller, Försäkringskassan
[5] Stefan Löfven: De närmsta månaderna kommer att bli påfrestande, SVT
[6] 20 konstaterat smittade av corona i länet, SVT
[7] 150.000 kan komma att smittas av corona i Västerbotten, SVT

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