Teil 1: Naturfotografie mit dem Teleobjektiv

Für die Pflanzen- und Vogelfotografie nutze ich mein Canon-Teleobjektiv mit Brennweite zwischen 55 und 250 mm, denn damit lassen sich Objekte nicht nur nah heranholen sondern auch hervorragend vom Hintergrund freistellen. Diese Schärfentiefe ermöglicht eine perfekte Fokussierung des Elements der Begierde, während Vorder- und Hintergrund unscharf erscheinen. Sie hängt ab von Blende und Brennweite. Letztere macht mein Teleobjektiv so geeignet für das Herausstellen von Objekten vor einem unscharfen Hintergrund, obwohl es nur eine mäßig große Blendenöffnung hat.

Blende

Die Einstellung der Blende hat einen Einfluss auf die Schärfentiefe. Diese ist umso größer, je größer die Blendenzahl eingestellt wird. Die Blendenöffnung wird mit steigender Zahl immer kleiner, sodass alle Ebenen auf dem Bild schärfer erscheinen. Umgekehrt bedeutet eine kleine Blendenzahl eine große Blendenöffnung, wodurch das Objekt herausgestellt wird und andere Ebenen unscharf erscheinen. Dieser Effekt ist zum Beispiel gewünscht, wenn ein Vogel im Gebüsch oder eine Blüte fotografiert wird.

 

Wenn das Wetter trüb und dunkel ist oder du dich im Wald befindest, stößt du mit einer hohen Blendenzahl schnell an deine Grenzen. Durch die kleine Blendenöffnung kann kaum Licht eintreten, sodass das Bild zu dunkel erscheint. Hier kommen die Begriffe Lichtstärke des Objektivs und Verschlusszeit ins Spiel

Lichtstärke

Dieser Faktor gibt Auskunft darüber, wie weit die Blende geöffnet werden und wie viel Licht dementsprechend eintreten kann. Besonders lichtstarke Objektive haben den großen Vorteil, dass sie auch bei suboptimalen Lichtverhältnissen eingesetzt werden können. Du kannst die Blende bei diesen Objektiven besonders weit öffnen, um eine geringe Tiefenschärfe zu erzeugen.

Je kleiner die Blendenzahl, desto größer ist die Blendenöffnung und umso lichtstärker ist das Objektiv. Mein Canon-Teleobjektiv besitzt eine Lichtstärke von 1:4-5.6. Der Wert 4 bezeichnet die maximale Blendenöffnung für die kürzeste Brennweite – in meinem Fall 55 mm. Der Wert 5.6 ist bei der höchsten Brennweite von 250 mm möglich. Mit diesen Werten gehört mein Tele nicht zu den lichtstärksten Objektiven, dafür aber zu den günstigeren Modellen. Für Teleobjektive mit einer hohen Lichtstärke ist der Wert 1:2.8–3.5 typisch. Dafür musst du auch etwas tiefer in die Geldbörse greifen.

Lichtstärke – Fakten auf einen Blick
VorteileNachteile
gute Aufnahmen bei schlechten
Lichtverhältnissen möglich

kürzere Verschlusszeiten besonders bei langen Brennweiten vorteilhaft, damit das Bild nicht verwackelt

optimal für geringe Schärfentiefen
größerer Linsendurchmesser notwendig, wodurch Gewicht und Größe des Objektives steigen

hohe Anschaffungskosten

Filter mit größeren Durchmesser deutlich teuer als Standardmodelle

Beachte, dass die Abbildungsleistung je nach Objektiv bei vollständig geöffneter Blende reduziert sein kann. Die Folge ist eine geringe Auflösung oder eine stärkere Vignettierung. Das lässt sich durch Ausprobieren schnell herausfinden. Wenn die Effekte zu sehr stören, solltest du um ein bis zwei Blendenstufen abblenden. In manchen Fällen erzeugt die Vignettierung eine besondere Wirkung auf den Betrachter. Sie kann als Gestaltungselement eingesetzt werden, um das Objekt deutlicher hervorzuheben.

Verschlusszeit

Dieser Faktor gibt an, wie lange das Licht einfällt. Ein langer Lichteinfall ist bei dunklen Verhältnissen notwendig, um ein gut ausgeleuchtetes Bild zu erzeugen. Das erfordert gleichzeitig ein Stativ, denn mit langer Verschlusszeit steigt auch die Verwackelungsgefahr. Objekte die sich aktiv oder passiv bewegen, können mit einer langen Verschlusszeit nicht eingefangen werden. Sie erscheinen unscharf. In diesen Fällen muss die Verschlusszeit möglichst gering eingestellt werden.

 

Du kannst mit einer Verschlusszeit von 1/250 starten und ausprobieren, wie dein Foto aussieht. Experimentiere mit der Einstellung, bis das Bild perfekt ist. Die Verwackelung reduziert sich, wenn du einen Bildstabilisator verwendest. Zoome in dein fotografiertes Bild hinein, damit du siehst wie scharf die Konturen sind.

Fazit

So schießt du das perfektes Bild mit einem scharf abgebildeten Objekt, das sich vom verschwommenen Vorder- und Hintergrund abhebt:

1. Wähle eine geringe Verschlusszeit, damit das Objekt nicht verschwimmt

2. Stelle die Blendenzahl möglichst niedrig, um eine geringe Schärfentiefe und damit eine möglichst große Unschärfe im Hintergrund zu erzeugen.

3. Teste verschiedene Kombinationen beider Werte aus, bis du die Einstellungen auf die vorhandenen Lichtbedingungen angepasst hast.

4. Der (hier nicht weiter ausgeführte) ISO-Wert wird auf Auto gestellt.

Im nächsten Teil…

Wie entsteht das perfekte Pflanzenfoto?

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