Teil 2: Pflanzen als Fotomotiv

Pflanzen sind ein dankbares Objekt zum Fotografieren, denn sie stehen fest an einem Ort. Sie eignen sich perfekt zum Experimentieren und werden nie langweilig, denn jede Pflanze hat einzigartige Eigenschaften. Die Kunst der Pflanzenfotografie besteht darin, die Besonderheit einer Art in den Fokus zu rücken.

Naturschutz

Bei der Pflanzenfotografie geht es in erster Linie um Spaß. Doch ganz egal, wo du dich befindest: Die Vegetation sollte so hinterlassen werden, wie sie vorgefunden wurde. Das mag auf einer Wiese weniger wichtig erscheinen. Fotografierst du in einem Naturschutzgebiet, wird die Vorsicht umso wichtiger. Hier erweist sich ein Teleobjektiv als besondere Hilfe, damit du Pflanzen vom Weg aus fotografieren kannst.

Motivwahl

Vor jedem Bild stellt sich die Frage nach dem Motiv. In der Pflanzenfotografie ist diese Frage nicht besonders schwer zu beantworten, denn zwischen Frühjahr und Herbst gibt es an jeder Ecke Pflanzen, die fotogen erscheinen. Selbst im Winter ist die Auswahl groß und verleitet zu neuen Experimenten – vorausgesetzt die Finger frieren nicht sofort ab beim Bedienen der Kamera.

Einige Faktoren solltest du dennoch überprüfen, denn sie beeinflussen deine Motivwahl:

  • Gibt es störende Elemente im Hintergrund?
  • Ragen andere Pflanzenteile ins Bild?
  • Hat die Motivpflanze verwelkte Blätter oder Blüten?
  • Kommst du nah genug an das Objekt heran?
Störende Elemente

Die Schärfentiefe macht es möglich, dass der Hintergrund unscharf erscheint. Dadurch genießen wir beim Fotografieren von Pflanzen einen großen Vorteil, denn vieles kann dadurch kaschiert werden. Dennoch gibt es Elemente, die auf dem Bild auch unscharf nicht schön wirken. Dazu gehören Zäune, Schilder oder auch Pflastersteine.

Fremde Pflanzenteile

Es gehört zum natürlichen Bild, dass Pflanzen von anderen Arten umringt werden. Es kommt häufig vor, dass sich ein Grashalm direkt vor der Pflanze wächst. Da du den Stängel nicht fokussierst, erscheint er unscharf. In manchen Fällen können solche Pflanzenteile beim Anblick des Fotos als störend empfunden werden. Das Bild wirkt nicht mehr harmonisch, denn der Blick wird durch dieses scheinbar „fremde“ Objekt abgelenkt. Du kannst versuchen, einzelne Grashalme in eine andere Richtung zu legen. Achte darauf, dass du die Vegetation nicht unnötig zerstörst.

Verwelkte Blätter und Blüten

Auch diese Teile sind natürlich. Sie gehören zum Kreislauf der Vegetationsphase und sind damit ein Teil des Bildes. Bei herbstlichen Aufnahmen sind diese Aspekte gewollt und auch auf Sommerfotos sehen braune Stellen nicht unbedingt schlecht aus. Abgestorbene Blätter und braune Blüten werden zum störenden Faktor, wenn sie sich in den Vordergrund des Bildes drängen. Probiere aus, was dir besser gefällt. Für einwandfreie Aufnahmen ist der Zeitpunkt ausschlaggebend.

Entfernung

Wenn das Objekt der Begierde mitten in einer artenreichen Wiese wächst, ist es schwer spurenlos an die Pflanze heranzukommen. Entscheide dich für deine ersten Fotoexperimente für Pflanzen in öffentlichen Parks und Gärten. Hier kannst du schon vom Beetrand beeindruckende Fotos machen, ohne die Vegetation zu zertrampeln.

Schwer begehbare Feuchtwiese mit Sumpf-Ziest | © Christine Riel
Wind, Wetter und Zeitpunkt

Mit meinem Teleobjektiv bin ich stark vom Wetter abhängig, denn es ist nur mäßig lichtstark. Obwohl ich gerne bei leicht bedecktem Himmel fotografiere, stoße ich unter diesen Bedingungen häufig an die Grenzen der Machbarkeit. Zu dunkle Verhältnisse erschweren mir das Fotografieren. Ich muss mit längeren Verschlusszeiten arbeiten, wodurch die Gefahr der Verwackelung enorm steigt. Ein Stativ schafft nur bedingt Abhilfe. Auch wenn meine Kamera ruhig steht, so bewegen sich die Pflanzen oft schon in der kleinsten Windböe. Windfreie und sonnige Tage sind daher bestens geeignet, um Pflanzen zu fotografieren.

Die Tageszeit spielt eine zweitrangige Rolle. Du kannst zu jeder Tageszeit fotografieren, die dir als angenehm erscheint. Besonders effektvolle Fotos lassen sich in den frühen Morgen- und späten Abendstunden machen. Wenn sich die Blüten am Morgen nach einer nebeligen Nacht öffnen, erscheinen die farbigen Kronblätter besonders frisch. Tau perlt von den Blättern ab oder macht Spinnennetze zwischen Grasrispen sichtbar. In der „blauen Stunde“ am Abend herrschen mystische Lichtverhältnisse, die eine ganz besondere Stimmung auf dem Foto erzeugt. Hier benötigst du auf jeden Fall ein Stativ, denn das natürliche Licht reicht für kurze Verschlusszeiten nicht mehr aus.

Fazit

Lass den Bildausschnitt auf dich wirken, wenn du durch den Sucher schaust. Variiere den Ausschnitt, indem du die Kamera ganz leicht nach oben und unten oder nach links und rechts bewegst. Bereits die kleinen Veränderungen können große Unterschiede bewirken. Experimentiere zu verschiedenen Tageszeiten und wähle für die ersten Versuche einen windfreien Tag mit blauem Himmel.

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